Online-Shopping-Test: Klamotten, Brillen, Kochboxen (Spoiler: nur einer überzeugt)

Eine Collage aus drei Webseiten

Online-Shopping-Test: Klamotten, Brillen, Kochboxen (Spoiler: nur einer überzeugt)

Der Lebensmittelvorrat kommt per Paket, Brillen probiert man online und das maßgeschneiderte Hemd wird per App vermessen ich bin ein Freund von Onlineshoppingangeboten. Trotzdem haben mich zwei von den drei Angebot ziemlich enttäuscht.

Ein Screenshot der Zozo-Seite
Dienst eingestellt – in Europa gibt es keine passgenaue Kleidung von Zozo

Zozo – Klamotten maßgeschneidert per App

Zugegeben ich war von der ersten Sekunde begeistert. Da gibt es eine Firma, die auf den Körper zugeschnittene Klamotten verkauft. Maß genommen wird per App. Das funktioniert so: Nach der Kontaktaufnahme landet innerhalb kurzer Zeit (2 Tage) ein Probieranzug im Briefkasten. Diesen Overall, oder besser, diese zweite Haut probiert man an und eine App ermittelt mit der Kamera die Körpermaße. Dazu sind am Overall kleine weiße Punkte angebracht mit deren Hilfe Zozo Maß nimmt.

Die ermittelten Daten werden direkt in der App gespeichert und auf die ausgewählten Kleidungsstücke angewandt. Bei mir waren das eine Jeans und ein Longsleeve für etwas über 90 Euro – schließlich wollte ich damit mindestens so cool aussehen, wie die werbewirksam inszenierten Jungs auf der Webseite. Der Rest ist schnell erzählt. Versanddaten eingeben, per Kreditkarte zahlen und schon war die Bestellung auf dem Weg. Dachte ich. Nach zwei Wochen kam ich etwas in Grübeln, wartete aber geduldig – schließlich wird mein Outfit gerade erst genäht (ja, am Anfang dachte ich tatsächlich so).

Nach fünf Wochen übergab mit der Paketbote mein Paket. Ich freute mich echt drauf. Also raus aus den alten Klamotten, rein ins Zozo-Outfit und ab vor den Spiegel. Es war ein Moment der Ernüchterung. Die Hose war viel zu groß, was ich natürlich beim Anziehen schon merkte, aber noch nicht glauben wollte. Das Longsleeve passte zwar vom Umfang her ganz gut, war aber viel zu kurz. Da stand ich nun mit der nach unten rutschenden Hose und dem nach oben ziehenden Shirt. Ich hab mir dann noch einen E-Mail-Verkehr mit einem Mitarbeiter geliefert, dann aber letztendlich entnervt aufgegeben. Das Outfit müsse passen – war der Satz den ich ständig hörte – und das dann ein Anwendungsfehler in der App vorliegen muss. Vielleicht. Kann ja sein, aber ich ordne mich jetzt als technisch ganz fit ein und wenn ich schon Probleme habe, was kommt dann bei weniger versierten Menschen bei der Bestellung raus?

Fazit: Zozo hätte mich voll und ganz begeistern können. Ich wäre Stammkunde geworden, wenn die Klamotten gepasst hätten und der Service fair gewesen wäre. Ach ja: Zozo hat übrigens mittlerweile die Aktivitäten am europäischen Markt eingestellt…

Ein Screenshot der Seite von Ace&Tate
Brillen einfach im Web kaufen – geht mit Ace & Tate

Ace & Tate – Schicke Brillen für wenig Geld

Wenn ich mit meiner Mom über ihre Brillen rede, greife ich angsterfüllt zum Geldbeutel. 900 Euro kostet sie ihre Sehhilfe – meist wartet sie dann ein 2für1-Angebot ab. Ich bin da anders. Ich will kein Vermögen für meine Brille ausgeben. 100, vielleicht 150, im schlimmsten Fall 200 Euro. Mehr darf meine Brille nicht kosten. Erstens trage ich die Brille immer und überall (Radfahren, Wandern, Büro, Werkstatt, etc.) und zweitens langweilt mich Form und Farbe nach geraumer Zeit und ich will Abwechslung.

„Probier doch mal Ace & Tate aus“, war ein Spruch den ich mir öfters anhören durfte. Irgendwann wurde ich weich. Keine 100 Euro sollte da meine Brille kosten inkl. Versand, inkl. Gratis-Anproben daheim. Also hab ich erstmal den Onlinekonfigurator angeschmissen. Via Kamera wird das Gesicht erkannt und verarbeitet. Eine App braucht es dafür nicht, es funktioniert alles auf der Webseite. Einmal eingescannt merkt sich die Webseite das Ergebnis und es steht für jede Brille zur Verfügung. Auf zur Anprobe. Ein Klick und schon sitzt die Brille auf meinem virtuellen Ich und macht alle Bewegungen mit, die ich vor der Kamera mache. Ich lege also vier Brillen in die Testbox und lasse mir die schicken.

Zwei Tage später ist die Box im Briefkasten. Ich probiere die Brillen in Ruhe daheim aus, nehme sie mit in die Arbeit, zeige sie den Kollegen und entscheide mich letztendlich für zwei Modelle. Da ich mir tatsächlich erst kürzlich eine Brille machen ließ, hatte ich meine recht aktuellen Sehwerte zur Hand (ansonsten wäre der Gang zum Optiker und ein Sehtest für 20 Euro fällig gewesen). Ich bestelle meine Favoriten und bekomme diese eine knappe nach dem Klick auf den Absenden-Button. Die Brillen passen perfekt und ich sehe gut damit (aus).

Fazit: Ich bin schwer beeindruckt. So beeindruckt, dass ich mir kurze Zeit später noch einmal zwei Brillen bestelle. Dieses Mal mit Blaulichtfilter (Aufpreis 20 Euro). Und wieder halte ich meine Bestellung ein paar Tage später in den Händen. Ich kann Ace & Tate absolut weiterempfehlen und werde weiterhin dort meine Brillen ordern.

Ein Screenshot der Webseite von Marley Spoon
Durchwachsenes Ergebnis – ich bin kein Freund von Kochboxen

Marley Spoon – Kochbox für zwei

Lebensmitteleinkauf – ein Wort, was ich am liebsten gar nicht erst kennen möchte. Zu spät. Seit meiner ersten Bude vor 20 Jahren stehe ich selbstbewusst im Leben und versorge mich selbst. Für eine Woche hat sich das im letzten Jahr geändert. Marley Spoon bietet Kochboxen an. Das sind quasi Pakete mit allen Zutaten für ein Gericht. Es kommt noch besser. Bei der Bestellung gibt man an wieviele Tage der Woche mit einem feinen Gericht versüßt werden sollen. Ich entschied mich für die Variante mit Gerichten für fünf Tage (wenn schon, denn schon)! 53 Euro kostete der Spaß, ich meine ich hatte aber sogar noch einen Rabattcode. Egal Person und Gericht waren es also etwa 5 Euro die mich der Versuch kostete.

Tag eins war der Tag der Lieferung (Montag). Die Schlemmerwoche startete mit einem Nudelgericht gleich mal ein echter Griff ins Klo. Die Zubereitung ist einfach und es macht Spaß auch mal mit außergewöhnlicheren Lebensmitteln und Gewürzen zu arbeiten. Aber: Die Konsistenz war, auch unter akribischer Einhaltung des Rezepts, nicht gut. Alles klebte und es sah auch nicht sonderlich appetitlich aus. Am zweiten Tag gab es Burger (mit Hähnchenfleisch). Die waren wirklich gut, wenn ich mir auch bei der Peperoni die Beschriftung „Vorsicht extrem scharf“ gewünscht hätte. Ein kleine Fitzelchen (ohne Kerne) versaute mir die Barbecue-Soße und ich musst zur Grillsoße aus dem Kühlschrank greifen.

Am drittem Tag gab es einen Blätterteig-Hackfleisch-Auflauf aus Großbritanien. Der war großartig und megaeinfach. Blätterteig in eine Form, Champignons, Zwiebel, Hackfleisch und Creme Fraiche rein – fertig. Und dann kam der Donnerstag. Ich öffnete das Hähnchenfleisch welches zu Linguini gereicht werden sollte. Entgegen kam mir ein beissender Verwesungsgeruch. Ja, das klingt dramatisch. War es auch. Innerhalb von Sekunden setzte der Würgereiz ein. Ich war fertig für heute mit essen. Das Schlimme an der Sache: Ich hatte noch so ein Hähnchenteil für ein weiteres Gericht im Kühlschrank. Ich wollte, nein, ich konnte es nicht mehr öffnen. Also ab zum Metzger und ein frisches Fleisch geholt. Das Gericht schmeckte letztendlich… keine Ahnung. Ich weiß es nicht mehr. Zu stark ist die Erinnerung an den Geruch. Ach ja, bevor einer was sagt: die Kühlkette wurde von meiner Seite aus zu keinem Zeitpunkt unterbrochen!

Den Service habe ich am selben Tag natürlich noch angeschrieben. Auf eine sehr ausführliche und detailreiche Beschreibung des Vorfalls, bekamm ich zur Antwort, dass das Fleisch wohl ohne Gas verpackt werde und es deshalb zu Geruchsbildung kommen kann. Das sei normal und ich könne das Fleisch bedenkenlos essen, nachdem ich es abgewaschen habe. Nein danke! Auf eine weitere Mail wurde mir dann kulanterweise noch ein Gutschein für den nächsten Einkauf angeboten – da habe ich mich aber schon längst von der Plattform abgemeldet.

Fazit: In Zukunft geht es wieder in den Supermarkt oder auf den Markt – da weiß man meist was man bekommt und kann mit Genuß kochen und essen. Für mich ist das Kapitel Kochbox erledigt.

Endergebnis:

Und nun? Ist das Shopping via App und Web nun gut oder böse? Vielleicht hatte ich ja einfach nur Pech. Ich bestelle regelmäßig bei Amazon – meist Technik. Lebensmittel stehen eher selten auf meiner Wishlist und werden da auch nur selten zu finden sein. Klamotten kaufe ich online, aber eben ganz normal von der Stange. Die sind auch ganz ok (echt jetzt) und passen.

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