Einige Messebesucher stehen vor einem Messestand

Leitmesse emove360 – Elektromobilität-Trends 2020

Nur Laden, das ist den Herstellern von Ladestationen für Elektroautos zu wenig. Eine Ladelösung muss intelligent sein. Egal ob Lastmanagement, Abrechnung oder das Zusammenspiel mit PV-Anlagen – fast alle Aussteller auf der Münchner Elektromobilitätsmesse emove360 setzen auf Intelligenz bei Wallboxen und Co.

Das hat gute Gründe. Es kann zum Beispiel nicht jeder Stromanschluss mit unendlich viel Leistung versorgt werden. Geht man von einem normalen Hausanschluss aus, so ist schon der Betrieb einer 22-kW-Wallbox (Wandladestation für E-Autos) genehmigungsplichtig. Kritisch wird es erst recht wenn ein zweites Fahrzeug mitgeladen werden kann, da dann die zur Verfügung stehende Leistung oft nicht reicht. 

Statisches oder dynamisches Lastmanagement

Eine Lösung bietet das Lastmanagement. Das heißt eigentlich nur, dass eine Ladelösung die Verteilung der verfügbaren Leistung regelt. Beim statischen Lastmanagement wird den Ladepunkten eine feste Ladeleistung zur Verfügung gestellt (Bsp. 22kW). Lädt ein Auto, kann die volle Leistung abgegriffen werden, kommt ein zweites Fahrzeug hinzu wird die Ladeleistung aufgeteilt.

Noch schlauer ist ein dynamisches Lastmanagement, denn hier wird als verfügbare Leistung der Wert des Hausanschluss verwendet. Das heißt, dass nachts, wenn wenig andere Verbraucher aktiv sind, den Ladepunkten mehr Leistung zur Verfügung steht. Kommen weitere Verbraucher wie Waschmaschine, Heizung, Boiler, Ofen usw. hinzu, wird die Ladeleistung gedrosselt.

Eine solche Lösung ist auch für mehrere Ladepunkte in einer Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses denkbar. Übrigens: Da derzeit nicht jedes Fahrzeug mit 22kW laden kann, wird die Ladeleistung meist eh von den Verbrauchern selbst geregelt. Andernfalls könnten jedem Ladepunkt auch eine maximale Ladeleistung zur Verfügung gestellt werden, welche je nach Auslastung erreicht werden kann. 

Rein logisch gesehen benötigt es meist aber auch gar nicht die volle Ladeleistung von 22kW. Nehmen wir als Beispiel mal ein Fahrzeug mit einer Batteriekapazität von 50kWh. Mit einer 11kW-Ladelösung und der vollen Leistung wäre der Fahrzeugakku, unter Berücksichtigung der Ladekurve, innerhalb von maximal 6,5 Stunden, also über Nacht, voll.

Laden mit der Kraft der Sonne

In den nächsten Jahren läuft bei vielen PV-Anlagen-Besitzern die auf 20 Jahre festgeschriebene Vergütung für den eingespeisten Strom aus. Das heißt, dass nun andere Ansätze gefunden werden müssen um die Solarpanele sinnvoll nutzen zu können. Die eine Lösung wären Batteriespeicher, in denen die erzeugte Energie ganz einfach gespeichert und so zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar gemacht wird.

Der zweite Ansatz wäre die Versorgung des Elektroautos mit Solarstrom, dass also die erzeugte Sonnenenergie direkt ins Fahrzeug fließt. Dafür ist aber nicht jede Ladelösung geeignet und deswegen versuchen immer mehr Hersteller eine möglichst einfache Lösung zu finden. Die einfachste Lösung funktioniert wie folgt: Ein kleines Zusatzgerät wird in die Steckdose gesteckt und mit dem WLAN gekoppelt. Diese Zusatzgerät spricht zum einen mit dem Wechselrichter welcher bestenfalls eh schon im WiFi hängt, zum anderen mit einem mobilen Ladegerät. Wird nun mehr Strom erzeugt als in der Hausinstallation verbraucht wird, wandert der Überschuss ins Elektroauto. 

Reicht die Leistung nicht aus, wird der Strom vom Netz gezogen um einen gewissen Akkustand zu einem definierten Zeitpunkt erreichen zu können.  Aber nicht nur Überschussladen ist mit dieser Lösung möglich. Es kann z.B. auch definiert werden, dass das Fahrzeug auch nur mit PV-Strom geladen wird, wann die Ladung erfolgen soll und bis zu welchem Akkustand die Ladung erfolgen soll.

Andere Lösungsansätze sind die Verbindung der Wallbox mit einem Smartmeter oder dem Wechselrichter oder eine Lösung mit einem vorgeschaltenem Messgerät. Das Ergebnis ist meist das selbe und so ziemlich alle Ladesituationen sind einstellbar.

Info: Ich arbeite bei der energielösung GmbH, dem Onlineshop für das einfache Laden im eigenen Heim. Auch wir spüren einen Trend bei intelligenten Ladelösungen. Das mag zum einen an den größeren Herausforderungen liegen, die mit der zunehmenden Zahl der angemeldeten Fahrzeuge auf Verbraucher und Versorger zukommen, aber auch an der steigenden Berichterstattung der Medien.

Spezialfall Abrechnung bei Ladesäulen

Für Privatanwender weniger interessant ist der dritte spürbare Trend der emove360. Viele Hotels und Gastronomen sehen eine Chance in der Elektromobilität. Aber auch kleinere Unternehmen wollen bei den Mitarbeitern und Besuchern mit einer Ladelösung für Elektroautos punkten. Meist ist dann ein Abrechnungssystem nötig. Das heißt im Falle des Hotels bzw. der Gastronomie, dass sich der Kunde via App, Ladekarte oder RFID-Karte (die er an der Rezeption erhält) an der Ladesäule anmeldet und entweder direkt oder über die Hotelrechnung abgerechnet wird.

Für Firmenparkplätze dürfte die RFID-Karten-Lösung die einfachste sein. Ein Mitarbeiter bekommt eine ihm zugeordnete RFID-Karte, im Firmenfahrzeug liegt eine fest zugeordnete Karte oder der Gast erhält die RFID-Karte von einem Mitarbeiter. Egal welches System, jeder Ladevorgang wird so einfach gestartet und kann problemlos einer Kostenstelle zugeordnet und somit abgerechnet oder für steuerliche Zwecke ausgelesen werden.

Eine Seltenheit sind noch Ladelösungen die direkt mit einer Kredit- oder EC-Karte zusammenspielen. Ähnlich wie bei den 24-Stunden-Tankstellen, wird nach dem Vorzeigen der Zahlkarte ein bestimmter Betrag geblockt und nach dem erfolgreichen Laden kW-genau abgerechnet. Die Hersteller sind aber dran hier eine möglichst einfache Lösung für die Anwender und Betreiber zu finden.

Das gab es sonst noch auf der eMove360 zu sehen

Das Design spielt eine immer größere Rolle. Bestanden die ersten Ladelösungen noch aus einem grauen Kasten mit einer Sicherung, ein wenig Elektronik und einer Steckdose, entwickeln sich Wallboxen und Co. mittlerweile zu echten Hinguckern. Während die einen auf Edelstahl und einen sehr hochwertigen Look setzen, wollen die anderen mit einer individualisierbaren Wallbox glänzen. Einige Hersteller setzen auf ein sehr nerdiges Aussehen mit LED-Leisten und Farbdisplay während der Standnachbar auf eine möglichst “unsichtbare” Lösung setzt, die sich möglichst unauffällig in die bestehende Struktur integriert.

So gut wie jeder Hersteller möchte mit einer mobilen Ladelösung einen Mehrwert für die Nutzer schaffen. Der Vorteil: Für einen Ladevorgang reicht eine einfache Steckdose aus, kann aber auch an eine rote 32-Ampere-CEE-Steckdose angesteckt werden. Je nach Eingangsleistung kann so örtlich unabhängig geladen werden – die mobilen Ladegeräte werden also nicht ohne Grund als “Wallbox für unterwegs” betitelt.

Insgesamt war die emove360 eine interessante Messe. Etwas erschreckend war für mich trotzdem die Anzahl der teilnehmenden Firmen. Zieht man Hersteller für Zubehör wie Kabel und Stecker, Softwarehersteller und sonstige Zulieferer und die Gastrobereiche ab, hätte man die Messe auch auf einer wesentliche kleineren Fläche abhalten können. Dementsprechend verlaufen hat sich auch das Publikum, was wiederum zur Folge hatte, dass man mit den meisten Ausstellern schnell ins Gespräch kommen konnte.

Links:

emove360: https://www.emove360.com/

Galerie emove360:

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